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So läuft das Entwicklungsgespräch in der Kita

Wenn Eltern in der Kita zum Entwicklungsgespräch geladen werden, erfahren sie, wie sich ihr Kind macht – motorisch, sprachlich, im Sozialverhalten. Wie sinnvoll ist das?

 

So läuft das Entwicklungsgespräch in der Kita

Wenn Eltern in der Kita zum Entwicklungsgespräch geladen werden, erfahren sie, wie sich ihr Kind macht – motorisch, sprachlich, im Sozialverhalten. Wie sinnvoll ist das?

von Annabelle Fischer, 15.10.2018

 

 

 

 

Wie macht sich mein Kind? Erzieher haben dafür einen geschulten Blick. Vor dem Entwicklungsgespräch in der Kita sorgen sich trotzdem viele Eltern

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Einmal im Jahr setzen sich Eltern mit den Erziehern zusammen und besprechen die Entwicklung ihres Kindes, das in einem Kindergarten tagsüber betreut wird. Manchen Eltern graut es vor diesem Termin, kommt es doch einer ersten offiziellen Bewertung ihrer kleinen Goldschätze gleich – ein Blick von außen, eine fundierte objektive Beobachtung der Entwicklungsschritte. Kann es auf einem Bein stehen? Oder eine Perle auffädeln? Teilt es gerne? Oder zankt es sich mit anderen Kindern?

Klar, dass kein Kind in allen Punkten perfekte Werte erreicht. Trotzdem schlucken Eltern dann oft, wenn sie auf Dinge, die nicht so optimal laufen, aufmerksam gemacht werden. Und manche fragen sich: Ist es nötig, Drei- bis Fünfjährige zu bewerten? Lassen sich so kleine Kinder in eine Skala pressen? Woher kommen die Fragebogen, die Erzieher verwenden?

Entwicklungsgespräch ist gesetzlich verankert

Fakt ist: "Jeder junge Mensch hat ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und Erziehung" – so steht es in Artikel 1 VIII des Sozialgesetzbuchs. Und: "Der Förderungsauftrag umfasst Erziehung, Bildung und Betreuung des Kindes und bezieht sich auf deren soziale, emotionale, körper­liche und geistige Entwicklung. Die Förderung soll sich am Alter und Entwicklungsstand, den sprach­lichen und sonstigen Fähigkeiten sowie den Interessen und Bedürfnissen des einzelnen Kindes orientieren" (§ 22). Das heißt: Kindertageseinrichtungen müssen laut Gesetz beobachten und eine darauf aufbauende Bildungsdokumentation anfertigen.

 

 

 

 

 

Chance oder Druck?

"Die Forschung hat diese Beobachtungen entwickelt, um zu sehen, wo ein Kind steht? Die Bogen sind bundesweit verschieden, jedoch verpflichtend. Abhängig vom Träger kann sich jeder Kindergarten sein Verfahren aussuchen", sagt Inga Doll, Pädagogin und Bildungsmanagerin am Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung in Osnabrück. Sie sollen die pädagogische Arbeit nachvollziehbar machen und in Elterngesprächen einen roten Faden bilden. So die Theorie.

Oft ist der Austausch zwischen Eltern und Erziehern aber eher frustrierend. "Ich habe mich nach dem Entwicklungsgespräch über meinen Sohn Dominik sehr unter Druck gesetzt gefühlt, ihn zum Osteopathen schicken zu müssen. Nur weil er hin und wieder den Kopf nach hinten gelegt und in die Luft geguckt hat", berichtet Isabella Hess (Name von der Redaktion geändert). Die Mutter vereinbarte dann tatsächlich einen Termin mit einem Osteopathen. Der hat nach einer Kontrolle die Sorgen von Isabella ausgeräumt: "Er meinte: Jungs, die schnell wachsen, hätten oft eine schlechte Körperhaltung, weil sie sich in ihrem Körper noch nicht zurechtfinden", erzählt die Mutter.

Nicht bewerten, sondern Lernfortschritte festhalten

Das ist genau der Knackpunkt der Beobachtungen. Viel zu oft werden Kinder bewertet. "Es geht ja nicht in erster Linie darum, Entwicklungsdefizite festzustellen, sondern Lernfortschritte in 'Das kann ich schon'-Ordnern festzuhalten und zu überlegen, wo eventuell noch Nachholbedarf besteht", sagt Pädagogin Inga Doll.

Deshalb ist es ganz wichtig, wie die Fragebogen eingesetzt werden. Bei einem Multiple-Choice-Verfahren mit einer Skala von 1 bis 6 können manche Stärken nicht richtig belegt werden. Beispielsweise lässt sich die Frage: "Kann ein Kind eine Perle auffädeln?", nicht nur mit Ja oder Nein beantworten. Denn auch wenn es das Einfädeln noch nicht schafft, ist es doch bemerkenswert, wenn das Kind den Faden mit Zeigefinger und Daumen zusammenhält und das Einfädeln mit Eifer eine halbe Stunde lang versucht.

 

 

 

 

 

Was beim Entwicklungsgespräch wichtig ist

Im Elterngespräch kommt es auf eine sensible Kommunikation des Fachpersonals an. "Ich zeige den Eltern die ausgewerteten Bogen nicht. Denn ich glaube, dass sie sich beim Anblick denken: Oje, da ist eine 6! Mein Kind kann das nicht!", sagt Veronika Wolf, Erzieherin eines Kindergartens in Pullach. Das kann ein Missverständnis sein. Denn: "Wenn ein Kind etwas nicht macht, heißt das nicht immer, dass es das nicht kann, sondern es hatte vielleicht einfach keine Lust dazu. Ich spreche lieber über die Talente und die Fortschritte des Kindes", sagt die Erzieherin.

So sollte der Bogen ausgewertet werden

Kinder müssen systematisch über einen längeren Zeitraum beobachtet werden und die Erzieher ihre Sicht im Team ab­gleichen. "Ich möchte nicht, dass die Bogen in einem stillen Kämmerchen allein ausgefüllt werden, denn da verschwimmt die Wahrnehmung", betont Martina Fellermeier, Leiterin eines Kindergartens in Pullach. "Oft denkt man sich: 'Ach, das kann es schon und das auch.' Da kommt gerade durch das Ankreuzsystem oft ein Mittelwert raus. Am besten füllt man den Bogen zu zweit aus, in der Nähe des Kindes, be­spricht sich, reflektiert und ergänzt Besonderheiten."

Oft haben Kinder, gerade Jungen, keine Lust zum Basteln. "Hier muss das pädagogische Personal eine interessante Lernumgebung schaffen: Manche Jungen könnte man so motivieren, zunächst Fußballflaggen zu malen, sie dann auszuschneiden und woanders aufzukleben", sagt Pädagogin Inga Doll.

 

 

 

 

 

Individuelle Förderung möglich?

Es stellt sich aber die Frage, ob es in der Praxis überhaupt möglich ist, dass zwei Erzieher die Talente von 25 Kindern erkennen und individuelle Lerninseln schaffen können, so wie es in Paragraf 22 des Sozial­gesetzbuchs gefordert wird. "Erzieher sind Fachpersonal, die ihre Kinder kennen und wissen, ob ein Kind musisch oder motorisch talentiert ist", so Fellermeier. Je detailgenauer die Bogen formuliert sind, desto weniger Interpretationsspielraum gibt es. Bei der Frage: Kann das Kind eine Eisenbahn bauen, sollte auch eine Rolle spielen, wie es baut: Fährt der Zug nur in eine Richtung? Kommt noch eine Stadt hinzu? Lässt es auch andere Kinder mitbauen?

Auch die Eltern sind gefragt

Gerade auf diese Zwischen-Betrachtungen kommt es an. Erst sie ergeben ein differenziertes Bild. Wenn Stärken oder Schwächen erkannt sind, sollten Eltern und Erzieher an einem Strang ziehen. Denn: "Wir sind nur familienergänzend und nicht ersetzend! Eine Erzieherin ist ein Allrounder, sie kann singen, malen und basteln. Aber sie ist weder Musiklehrerin noch Künstlerin", betont Martina Fellermeier.

"Wir achten vor allem darauf, dass die Vorschulkinder die schulischen Anforderungen schaffen. Wenn ein Kind zum Beispiel mit drei das 'Sch' noch nicht draufhat, ist das nicht schlimm, aber wenn das mit fünf noch nicht klappt, dann rate ich, das mit dem Kinderarzt zu besprechen", so Martina Fellermeier. Im Idealfall bringen sich die Eltern mit ein.

"Wenn ein Kind mit fünf den Stift noch falsch hält, ist es gut, wenn Eltern mit darauf achten und ihrem Kind auch zu Hause dabei helfen", sagt die Erzieherin. Denn eine korrekte Stifthaltung erleichtert ihm den Schulstart.

Hilfestellung, um Schwierigkeiten zu erkennen

Die Entwicklung durch Fragebögen zu dokumentieren stellt ein gutes Handwerkszeug dar, um mögliche Problembereiche früh zu erkennen. So kann das Kind durch spielerisches Üben diesen Schwierigkeiten entgegenwirken. Gerade auch bei benachteiligten Kindern können so Entwicklungsverzögerungen aufgefangen werden. Es geht um das Prinzip: Stärken stärken, Schwächen schwächen.

Im besten Fall sind die Entwicklungsbogen also eine Hilfestellung, um Schwierigkeiten festzustellen. Und dem Kind die Möglichkeit zu geben, seine Fertigkeiten selbst zu verbessern. "Wenn ein Kind etwas allein geschafft hat, fühlt es sich gut, und das fördert seine Selbstständigkeit und sein Selbstbewusstsein", sagt Pädagogin Inga Doll. Fördern, nicht überfordern! Darauf kommt es an. Kinder brauchen Zeit, um Entwicklungsschritte gehen zu können – und zwar in ihrem eigenen Tempo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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