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Outdoorbekleidung: Tipps zum Kauf

Sie schützt uns vor Wind und Wetter, kann aber die Umwelt belasten

 

Outdoorbekleidung: Tipps zum Kauf

Sie schützt uns vor Wind und Wetter, kann aber die Umwelt belasten

von Dr. Stefanie Reinberger, 15.10.2018

 

 

 

 

Jacke für alle Fälle: Funktionskleidung besteht meist aus mehreren Schichten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die größte Hitze ist vorbei, die Luft ist klar, die Wälder sind  bunt – und die Temperaturen schwanken oft beträchtlich. Wer jetzt wandern geht, kann morgens durchaus noch frösteln, mittags aber bei 25 Grad ins Schwitzen kommen. Was also soll man anziehen?

"Grundsätzlich empfehlen wir das gute alte Zwiebelprinzip, also drei oder mehr Bekleidungsschichten übereinander", sagt Thomas Bucher, Pressesprecher des Deutschen Alpenvereins. "Und vergessen Sie die Wechselwäsche nicht, falls Sie beim Aufstieg ins Schwitzen kommen." Vor allem für den direkten Hautkontakt sollten Materialien gewählt werden, die die Feuchtigkeit vom Körper wegtransportieren. Baumwolle zum Beispiel saugt sich voll und ist daher nicht zu empfehlen. "Gut eignen sich Shirts aus Kunstfaser oder Merinowolle", erklärt Bucher.

Membran gegen Wind und Wetter

Für die äußerste Schicht gilt: Eine gute Wanderjacke lässt Wind und Regen nicht durch, befördert aber Schweiß nach außen. Zu diesem Zweck steckt zwischen Innenfutter und Obermaterial eine technische Membran. Sie kann mikroporös, also mit winzigen Poren versehen, sein. Diese lassen Wasserdampfmoleküle entweichen, aber Regentropfen nicht eindringen. Eine "geschlossenporige" Variante besitzt noch winzigere Durchlässe.

Über eine Eigenschaft wie diese freuen sich Sportler und Wanderer, sie kann allerdings auf Kosten der Umwelt gehen. Greenpeace etwa bemängelt seit Jahren gefährliche Chemikalien in Outdoor-Bekleidung. Die sogenannten PFCs stehen zudem teils im Verdacht, Krebs zu erregen und die Fruchtbarkeit zu beeinträchtigen. Sie werden häufig in Membranen und Imprägnierungen von Outdoor-Jacken verarbeitet und machen die Kleidung wasser-, fett- und schmutzabweisend.

Chemikalien gelangen ins Blut

Einmal in die Umwelt gelangt – zum Beispiel bei der Herstellung oder Entsorgung der Funktionskleidung –, verteilen sich die umstrittenen Materialien bis in entlegenste Regionen. Über die Nahrungskette gelangen die Chemikalien schließlich auch in den menschlichen Körper. "Das ist vor allem ein Problem in den Produktionsländern. Aber auch bei uns finden wir PFC in der Umwelt, im Trinkwasser und im menschlichen Blut", sagt Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace. Laut einem aktuellen Bericht der Umweltorganisation haben viele Unternehmen das Problem erkannt. PFC in Outdoor-Bekleidung ist rückläufig.

 

 

 

 

 

Doch auch Jacken und Pullis aus Fleece können problematisch sein. "Polyesterfleece ist leicht, weich, trägt sich angenehm auf der Haut, ist feuchtigkeitsabweisend und isoliert gut", sagt Professorin Maike Rabe von der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. "Allerdings gibt es bei jedem Waschgang zwischen 10 und 100 Milligramm Plastikfasern pro Kilogramm Textil ab, die als Mikroplastik in die Umwelt gelangen."

 

 

 

 

 

Der Preis von Flauschigkeit

Fleece wird nach dem Stricken mechanisch aufgeraut, damit es seine typischen Flauscheigenschaften erhält. "Dabei werden Fasern zerstört. Deren Bruchstücke werden in der Produktion zwar abgesaugt, dennoch können Reste später ausgewaschen werden", erklärt die Textilingenieurin. Dieses Mikroplastik lässt sich weder vom Filter der Waschmaschine noch von Kläranlagen vollständig zurückhalten. Es kann deshalb in Flüsse und Meere und letztlich über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen. Rabe und ihre Kollegen untersuchen derzeit, wie viel tatsächlich in Gewässern landet und wie sich diese Menge reduzieren lässt.

 

 

 

 

 

Also lieber zurück zum traditionellen Wollpulli? "Er ist von der Funktionalität her sicher nicht die schlechteste Wahl", sagt Rabe. Und wer zu Merinowolle greift, vermeidet sogar das unangenehme Kratzen auf der Haut. "Allerdings verbrauchen Wolle und die dafür notwendige Tierhaltung sehr viele Ressourcen wie Landfläche und Wasser", so die Expertin.

 

 

 

 

 

 

Beim Kauf auf Umweltsiegel achten

Generell sei es schon längst nicht mehr möglich, den weltweit steigenden Bedarf an Kleidung mit Naturfasern zu decken. Interessant für die Zukunft seien Biopolymere, also biologisch abbaubare synthetische Fasern auf Basis natürlicher, nachwachsender Rohstoffe.

 

 

 

 

 

Was Sie als Verbraucher heute schon tun können: "Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Sie eine Jacke für den Gipfelsturm oder den Spaziergang benötigen", rät Greenpeace-Experte Santen. Schadstofffreie Jacken genügen den Ansprüchen fast immer. Achten Sie beim Kauf auf Umweltsiegel und Bezeichnungen wie PFC-frei. "Aber auf jeden Fall sollten Sie sich so kleiden, dass Sie gesund bleiben", empfiehlt Rabe. "Lassen Sie lieber das Auto stehen, und fahren Sie mit der Bahn zum Wandern, denn durch den Gummiabrieb der Reifen gelangt weit mehr Mikroplastik in die Umwelt als durch Ihre Fleecejacke."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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